Siegmund - Tischlerei Veit in Taucha - Individuelle Tischlerarbeiten und Holzspielzeug

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Siegmund

Über uns

Am 1. September 1974 begann Siegmund seine Tischlerlehre bei den Städtischen Theatern Leipzig.
Damals gab es die sperrige Berufsbezeichnung : Facharbeiter für Holzverarbeitung - Spezialisierung Dekorationsbau. Oder einfach Berufsnummer 1650.
Es war nicht sein Traumberuf, da sein Hobby damals die Elektronik war.
Dennoch versprach die Lehrzeit spannend zu werden; die Theatertischlerei lebt von der Abwechslung.
Und es wurde eine solide Handwerkslehre durch Lehrmeister Walther Jelinek vermittelt.



In den ersten Monaten wurde ausschließlich Handarbeit geübt und praktiziert, zum Leidwesen der Lehrlinge damals.
Aber nach einigen Jahren Berufserfahrung begann man immer mehr diese Zeit zu schätzen.
Die Theaterwekstatt war maschinell bestens ausgerüstet und so konnte die Lehrwerkstatt selbst etwas aufwändige Dekorationen mit produzieren.
Es begann Spass zu machen.





Zum Abschluß dieser Lehrzeit baute die Lehrwerkstatt viele Teile für die Aufführung "Die schöne Helena".

Und so bekam Siegmund sein Gesellenstück: 4 römische Streitwagen !

Dazu musste auch eine Hausarbeit abgeliefert werden mit Zeichnungen und Fotos.
Den Text mit Schreibmaschiene aufs Papier zu bekommen war schon eine Herausforderung an sich.
Eine, leicht vor sich hin klappernde, Computertastatur auf der diese Zeilen geschrieben wurden, war damals noch ferne Zukunftsmusik.

Am 15. Juli 1976 bekam er sein Lehrzeugniss.
Es war so schlecht nicht.
Diese erste Hürde war geschafft.
Da Theaterdekorationen immer etwas fürs Auge, und das noch aus ziemlicher Entfernung, sein sollten; war nicht oft solide Tischlerarbeit, die Jahrzehnte aushalten sollte, notwendig.
Sein Vater Gerhard gab Siegmund den Rat sich in einer Werkstatt, die z.Bsp. Möbel baut, weiter zu entwickeln.

Es fiel die Wahl auf die PGH Austellungsbau in Borsdorf. Eine Genossenschaft mit ca. 25 Beschäftigen in einer Zimmerei, Glaserei und Möbeltischlerei.Er arbeitete fortan in der Tischlerei mit Rolf Denkwitz, Rainer Wehle und Frau Weihmann zusammen.
Dort ging eigentlich die Lehrzeit weiter: Furnieren, Schrankwände bauen, furnierte Innentüren, Wände und Decken täfeln, Messestände bauen.
Die PGH Austellungsbau war ein gefragter Betrieb, die Wartezeiten für Kunden lang.
Fast zu vergleichen mit einer guten Facharztpraxis heutzutage.
In Borsdorf begann er die Ausbildung zum Handwerksmeister.
Nachdem Wechsel in die väterliche Tischlerei wurde dort die Meisterschule fortgesetzt.
Denn um die Fertigkeiten weiter zu ergänzen war aus auch wichtig den Sargbau (hier gibt es keinen einzigen rechten Winkel) mitzubekommen, sowie die Bautischlerei.
Bei der Bautischlerei lag hier der Schwerpunkt bei Türen und Tore aus Holz.

Aber das Meisterstück sollte schon ein Möbelstück sein! Ein Wohnzimmerschrank aus Makore.
Makore war in der DDR eine Holzart wo man Furnier und Vollholz eventuell bekam. Es ähnelt dem Mahagoni.
Das Vollholz für diesen Schrank wurde unter abenteuerlichen Bedingungen vom Holzveredlungswerk Wiederitzsch beschafft.  



Am 6. Juli 1983 wurde das Meisterstück in der Werkstatt abgenommen und mit gut bewertet.
Wieder war eine Hürde genommen.
Beim Bauen dieses Schrankes erschien zufällig der damalige Bürgermeister.
Er, selbst einmal Tischler gelernt, war verwundert, daß in der Sarg-und Bautischlerei furnierte Möbel gebaut werden.
Er suchte schon länger einen repräsentativen Tisch fürs Standesamt. "Da könntet ihr doch ..."
Doch Vater Gerhard erklärte, daß dafür eigentlich kein Platz vorhanden ist. "Gib ihm doch einen Gewerbeschein...."

Natürlich war diese Forderung damals illusorisch, denn so etwas war in der DDR kaum vorgesehen. Der Sohn konnte zwar das Geschäft des Vaters übernehmen, aber kaum neu eröffnen.
Doch der Bürgermeister nickte und es begann ein spannender Hürdenlauf durch die Instanzen.
Hätten die Genossen beim "Rat des Kreises" bei ihrer Entscheidung nur ansatzweise gewusst, das Siegmund den Wehrdienst; der ihm noch bevorstand, mit Waffe abgelehnt hatte und als Bausoldat gehen wird, wäre eine Befürwortung negativ ausgefallen.
Aber es gab damals dort Mitarbeiter mit Mut. Sachbearbeiterin Frau Wehner hat bei der Erarbeitung der Ratsvorlage für diesen Antrag das Thema Wehrdienst einfach weggelassen.
Es saßen damals nicht nur Apparatschicks auf den Ämtern! Ein Umstand den man sich heute manchmal wünscht.

So kam es, daß Siegmund am 1. Mai 1984 seinen Gewerbeschein erhielt und am 3.Mai zur Armee musste.


So schön wie auf diesem Bild sah es 1984 in Prora auf Rügen nicht aus.
Ja, man hatte ihn nach Prora auf die Insel Rügen eingezogen. Im ehemaligen KdF Gebäude, dem angeblich längsten zusammen hängenden Gebäude der Welt, sollte er die nächsten 18 Monate verbringen.
Die Bausoldaten wurden meist spät und so weit weg wie möglich von zu Hause verschickt.
So landete Siegmund, verheiratet mit Kind, mit 26 Jahren an der Ostsee. Der Zug fuhr 8 Stunden dorthin.
Die 3.Baukompanie arbeitete im ersten Halbjahr in der Kreisstadt Bergen an einer Kläranlage.
Siegmund konnte in dieser Zeit im Stammbetrieb in der dortigen Tischlerei in seinem Beruf arbeiten.
Als dann im Herbst die Kompanie nach Mukran versetzt wurde, um am Fährhafen mitzubauen, begann für ihn eine außergewöhnliche Zeit.
Er hatte immer eine angefangene Arbeit in Reserve, welche noch fertiggestellt werden musste.
So konnte er fast die ganze Zeit in der zivilen Tischlerei, zusammen mit Meister Hinrichs und Geselle Siegfried Stiffin, fernab vom militärischen Drill, arbeiten.
Er fuhr früh mit dem Zug nach Bergen und nachmittags zurück.



Am 30. Oktober 1985 war auch diese Hürde genommen - Die Armeezeit war vorbei.
Nun wurde mit Hilfe seines Vaters die Werkstatt in der Grünen Gasse eingerichtet.
Bis zur Wende wurden dort vorwiegend Kleinmöbel und Bilderrahmen von ihm gefertigt.
Verlässlicher Abnehmer dafür war die Genossenschaft des Tischlerhandwerkes.
Die Stasi hatte ihn auch im Visier, wie er nach der Wende erfuhr.
Mit dem Fall der Berliner Mauer begann auch die Wende in der Tischlerei.
Die Arbeiten wurden vielfältiger, es gab neue Materialien und Möglichkeiten, aber auch neue Risiken.
Fenster aus Kunststoff, Decken und Wandverkleidungen, moderne Türen. All das waren gefragte Dinge.

1994 fand der erste Opernball in Leipzig statt. Dafür wurde ein grosser Teil der Dekorationen gebaut.
Im gleichen Jahr baute Siegmund mit Vater Gerhard eine Fertigung von Kunststofffenstern auf. Klein aber fein.
So wurde manches grössere Projekt aus eigener Kraft realisiert.

Und für die Flasche Leipziger Ratssekt, die Michael Gorbatschow überreicht wurde, baute Tischlermeister Veit eine Schatulle.
Wo wird diese wohl heute sein.........



Fast alle namentlich erwähnten Personen sind nicht mehr auf dieser Welt.
Es war mir eine Ehre, sie kennengelernt zu haben.
Siegmund Veit



 
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